Zukunftswerkstatt Oberlahn e.V.
Zukunftswerkstatt Oberlahn e.V.

Ätzkalk 2013

Das Gestern von heute ist die Zukunft von morgen

Zukunftswerkstatt Oberlahn e.V. im friedlichen Kampf gegen
perspektivlose Jugendliche

von Simon Molitor, 10c der Jakob-Mankel-Schule Weilburg

www.aetzkalk.de

 Unsere Welt besteht schon lange nicht mehr nur aus Stein und Erde. Scheinbar haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, ein Monument von Werten aus dem Boden zu stampfen, das auf Effizienz und Produktivität basiert, das uns selbst zu tüchtigen, kleinen Arbeitern verdammt und eine Lebensweise ermöglicht, die womöglich niemals so gesehen war. Unsere Welt besteht schon lange nicht mehr nur aus Stein und Erde, sondern vielmehr aus einem ordentlich strukturierten Chaos, einer Wirtschaft, deren unerlässliche Energiequelle ein Uhrwerk aus Menschen darstellt. Menschen, die zusammenarbeiten und als Ganzes fungieren. Menschen, die wissen, was sie wollen, klare Ziele verfolgen und sich ständig auf der Suche nach Ideen und Lösungen befinden.

Doch ein Uhrwerk verliert an Präzision, wenn es nicht ständig gepflegt, justiert und repariert wird. Es ist vergänglich. Damit unsere Welt ‘‘funktioniert‘‘, muss sich um ihre Zukunft gesorgt werden, indem das Hier und Jetzt darauf vorbereitet wird. Wir sind das Hier und Jetzt. Die Jugend.

Ich selbst bin ein Jugendlicher wie jeder andere, ein kleines Zahnrad im Ganzen, ein Mensch im Gewimmel der funktionierenden Welt. Aber wie soll ich mich zurechtfinden in diesem komplexen Chaos? Wer sagt mir wohin? Und wie? Was kommt nach der Schule? Was soll mein Beruf werden? Ich selbst bin wie eine Ameise, der Teller ist unsere Welt. Doch leider stehe ich noch vor dem Teller, betrachte ihn von unten herab, kann kaum über den Rand linsen und beginnen zu verstehen. Viele Jugendliche werden in dieser Situation nicht von ihren Eltern auf ein Podest gestellt, denn beide haben einen bezahlten Job, brauchen auch ihre Ruhe und haben kaum Zeit für das Gespräch mit dem eigenen Kind. Die Schule bringt den Tellerrand nur minimal ingreifbare Nähe, sie kann uns bestenfalls erzählen, was sich dort oben befindet, doch ermöglicht sie uns keinen eigenen Einblick.

Immer mehr Jugendliche verlieren also absolut den Überblick über Perspektiven, über Ziele und die eigene Zukunft. Sie verlieren den Überblick über jene Dinge, die sie als Zahnrad eigentlich unerlässlich machen. Jahr für Jahr brechen rund 450.000 Jugendliche ihren zuvor eingeschlagenen Ausbildungsweg ab, da sie zu spät erkennen, dass dieser Weg keinesfalls der richtige sein kann. Verlorene Zeit. Die Lösung scheint simpel: ausreichend Vorbereitung und das Trainieren der Weitsicht für Jugendliche, damit sie schon früh erkennen, wo sie hinwollen. Exakt diesem Ziel eifert die Zukunftswerkstatt Oberlahne.V nach. Sie sitzt in Löhnberg und geht dort seit ihrer Gründung durch den Initiator und Vorsitzenden Volker Mühl im Jahre 2011 diversen Aufgaben zur Persönlichkeitsentwicklung von Jugendlichen nach. Angeboten werden unterschiedliche Kurse und Seminare für Jugendliche im Alter von ca. 14-18 Jahren, bei denen diese vorrangig ihre eigenen Ziele und Träume sowie Stärken und Prioritäten erkennen sollen, damit sie ihre Zukunft selbst in ihr Hände nehmen können.

Die Teilnehmer lernen, dass ihre Zukunft kein Schicksal, sondern gestaltbar ist.

Ich selbst habe mich vor geraumer Zeit dazu entschlossen, ein Seminar namens ‘‘Finde deinen Weg!‘‘zu besuchen. Ein eintägiges Seminar in der Zukunftswerkstatt Oberlahn, begleitet von lizensierten “Jugend braucht Zukunft”-Trainern. Diese Initiative steht unter dem Leitziel, der Jugend von heute einen Einblick in die Zukunft zu gewähren. Man möchte dem gefährlichen Unwissen von Jugendlichen im Bezug auf ihre Zukunftsplanung vorbeugen. Susanne Weber und Kerstin Roth führten uns damals in eine interessante Reise durch unser eigenes Leben, an der Gegenwart vorbei, bis hin zu unserer Zukunft.

Es war ein ganz gewöhnlicher Samstag, die Straßen regennass, ab und an fielen Schneeflocken federleicht zu Boden, um sogleich im Nass des kalten Beton zu zergehen. Der Tag war jung, die Zukunftswerkstatt bereits geöffnet. Vollkommen unwissend betrat ich das Gebäude, meldete mich bei Susanne Weber am Empfang. Wir waren eine kleine Gruppe von knapp 7 Leuten, alles Jugendliche, die kurz vor einem Schulabschluss oder Beginn einer Ausbildung standen, vereint durch die Suche nach Übersicht in der weitläufigen Arbeitswelt.

Der Seminarraum war ordentlich, jeder hatte einen eigenen Tisch. Akkurat lagen Stifte bereit, für ausreichend Wasser war gesorgt. Während des gesamten Seminars lag eine beruhigende Stille im Raum, jeder arbeitete für sich, anonym. Kerstin Roth, die zweite Seminarleiterin, hatte sich inzwischen ebenfalls vorgestellt und beide erklärten uns nun den Tagesablauf, die Vorgehensweise und das Ziel. Die nächsten Stunden sollten wir damit verbringen, unser gesamtes Leben nieder zu schreiben, in Form eines großen Baumes auf einem DIN A3-Blatt. Wir erschufen unseren eigenen Baum des Lebens, mit vielen Ästen und Verzweigungen, Prioritäten in unserem Leben, Werte, Familie, Freunde, eigene Stärken, Ziele und Träume. Alles wurde miteinander vernetzt. Bis nachmittags waren wir mit uns selbst beschäftigt, malten uns unser eigenes Leben vor Augen, so wie wir es fühlen, kennen und wünschen.

Zwischendurch wurden wir mit belegten Brötchen und warmem Mittagessen verköstigt, Kaffee und Kuchen am Nachmittag.

Auf gewisse Weise war die Arbeit an unserem eigenen Leben eine durchaus interessante Erfahrung. Man erkannte Werte, die man sonst nicht sah, setzte sich mit Vorbildern auseinander, versuchte sich vorzustellen wie es einmal werden soll, wo man sich zugehörig fühlte. Erst nach diesem Prozess wurde alles durch eine Einschätzung der eigenen beruflichen Interessen und Vorzüge abgerundet. Letztendlich fand eine persönliche Berufsberatung statt, basierend auf den zuvor ausgefüllten Einschätzungen. Mithilfe des Berufsinformationszentrums (BIZ) der Bundesagentur für Arbeit suchte ich zusammen mit Frau Roth nach passenden Berufen und jeweiligen Informationen. Zuletzt erhielt ich nun eine Rangliste der 10 bestpassenden Berufe für mich, unsere Arbeiten des Seminars durften wir allesamt ebenfalls mitnehmen, mit dem Rat, sie uns in 5 Jahren nocheinmal vor Augen zu halten.

Am Ende nahm ich weitaus mehr als nur ein paar Unterlagen mit nach Hause. Ich selbst empfand es als unglaublich interessant, mich derart intensiv mit meinem bisherigen Leben auseinanderzusetzen, um mit diesen Gedanken letztendlich sogar meine Zukunft zu formen und berufliche Perspektiven zu erkennen. Das Seminar war durchaus gelungen, ich kann es guten Gewissens weiterempfehlen und muss vor allem den Mitwirkenden der Zukunftswerkstatt große Anerkennung zollen, dass sie teils ehrenamtlich und mit viel Engagement versuchen, das Uhrwerk der Weltwirtschaft mit am Laufen zu halten.

Ihre Ansprechpartnerin

Susanne Rosenkranz

Zukunftswerkstatt

Oberlahn e.V.

Grüner Weg 1

35792 Löhnberg

Rufen Sie einfach an unter

(0 64 71) 98 50 15

oder mailen Sie uns unter

info@zukunftswerkstatt-oberlahn.de.

 

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